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Grün
bei Bedarf
Jugend forscht:
AKG-Schüler gewinnen Regionalpreis mit kluger
Ampel
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SCHWABACH Die Ampel ist rot. Als einziger
weit und breit wartet man an der Straße,
kein Auto fährt, kein anderer Fuß-
gänger läuft, die Ampel bleibt rot.
Diese Erfahrung ist nicht ein-malig, stellen Marcel
Neunhoeffer, Julian von Mendel und Michele Collodo
fest. |
Erstens
weil sie schon öfter mehrere Minuten an der Schwabacher
Kreuzung Ring-straße/Ludwigstraße stehend
zugebracht haben. Zweitens weil sich jetzt ganze Trauben
von Menschen über ihren Lösungsversuch beugten.
Verbesserte Ampel-
schaltung zur Wartezeitverkürzung heißt
die Arbeit, die die drei Zehntklässler vom Adam-Kraft-Gymnasium
beim Regionalwettbewerb Jugend forscht
eingereicht haben und für die sie im Bereich
Technik den Regionalpreis ergattert haben.
Einen
Sonderpreis hat die Jury in Erlangen drei weiteren
AKG-lern überreicht. Bei Schüler experimentieren,
dem kleineren Bruder von Jugend forscht
für die bis zu 15-Jährigen, waren Patrick
Hümmer, Alexander Lehmann und Daniel Bonhag
aus der achten Klasse mit dem Auto-Treibstoff
der Zukunft erfolgreich.
999
Punkte für Blaulichtwagen
Ärgerlich findet es Marcel jedes Mal, wenn
er die Ringstraße zur oder von der Innenstadt
überqueren will und die Fußgängerampel
ihn einfach ignoriert obwohl kein Auto
kommt. Marcels Idee: Eine kluge Ampel weiß,
wann wie viele Autos warten, an welcher Ecke viele
Fußgänger über die Straße gehen
wollen und schaltet dort auf grün je nach
Bedarf. Marcel und seine beiden Klassenkameraden Julian
und Michele begannen, Ausgangsprioritäten
festzulegen: ein Auto bekommt zehn Wichtigkeitspunkte,
ein Bus 50, der Fußgänger fünf und
ein Polizei-, Rettungs- oder Feuerwehrauto im Einsatz
999 Punkte. Dann erhöhten die Jungs die Priorität
je nach Wartezeit. Verdoppelung nach zehn Sekunden,
allein das Blaulichtfahrzeug bleibt mit 999 Punkten
immer Sieger der Liste.
Mit Hilfe einer Software, die die drei am heimischen
Computer und in zusätzlichen Nachmittags-Schulstunden
extra entwickelt haben, sind aus der Addition der
Gesamtprioritäten an einer Ampel und dem Vergleich
mit den anderen Ampeln Diagramme entstanden, die laut
Julian deutlich machen: Gerade bei wenig oder
einseitigem Verkehr ist unsere Schaltung eindeutig
im Vorteil.
Wie aber erkennt die Ampel die Menge der ungeduldig
Wartenden? Zwei Infrarotsensoren vor und an der Ampel
könnten die Autos zählen, für Busse
und Einsatzfahrzeuge gibt es einen extra Sender (der
teilweise schon üblich ist). So lässt sich
leicht feststellen, an welchem Signal die Autoschlange
gerade am längsten ist, wo also zuerst auf Grün
umgeschaltet werden muss.
Schwierige Fußgängermessung
Problematischer
ist die Messung bei den Fußgängern. Michele,
Marcel und Julian haben über einen Druckknopf
an der Ampel nachgedacht. Der kann aber manipuliert
werden. Ein Fingerabdruckscanner scheidet ihrer
Meinung nach aus Datenschutzgründen aus. Sie
haben auch an eine Waage am Straßenrand gedacht,
die ab einem bestimmten Gewicht die Notwendigkeit
des Umschaltens signalisiert, aber das ist ziemlich
ungenau. Und sie haben den RFID-Chip in Betracht
gezogen, den elektronische Personalausweise schon
intus haben. Aber nicht jeder besitzt schon
einen elektronischen Ausweis, müssen sie
zugeben und haben auch diese Variante ad acta gelegt.
Beste Möglichkeit ist nach Meinung der Schüler,
die Lichtsignale für Fußgänger weiterhin
in einem bestimmten Rhythmus zu schalten.
Simulation
am Computer
Wie
das Ganze funktioniert und dass es funktioniert, haben
die jungen Forscher beim Regionalentscheid in Erlangen
nicht nur mit einem riesigen Plakat in leuchtendem
Orange angepriesen und mit der Simulation am Computer
deutlich gemacht, sondern auch ein Modell mit fahrenden
und stoppenden Autos auf einer drei Quadratmeter großen
Sperrholzplatte dazu aufgebaut. Auch wenn die Elektronik
noch nicht jeden Wagen ordentlich zum Halten brachte,
wie Julian schmunzelnd zugesteht.
Sieben
Monate lang haben sie getüftelt, sieben Monate
lang stand die Platte bei Julian im Zimmer. Und dort
wird sie jetzt noch länger stehen. Denn der Regionalpreis
bedeutet, dass die Wartezeit-Verkürzungsanlage
auch am Landeswettbewerb vom 3. bis 6. April in München
dabei ist. Bis dahin wollen sie an der elektronischen
Steuerung noch feilen, damit in München die Modellautos
auch bei rot halten und bei grün fahren. Bis
April bleibt ja noch Zeit.
Alternative
Treibstoffe
Ein
bisschen mehr Zeit können sich die drei Achtklässler
Daniel, Alexander und Patrick jetzt nehmen. Ihre Untersuchung
von alternativen Treibstoffen, die das immer teurer
werdende Benzin ablösen könnten, hat im
Wettbewerb Schüler experimentieren
zwar schon den Sonderpreis bekommen, aber im nächsten
Jahr treten die drei noch einmal mit diesem Thema
an und wollen dann noch genauere Messergebnisse liefern.
Herausgefunden haben sie schon einmal, dass unter
den fünf untersuchten Stoffen Alkohol, Wasserstoff,
Erdgas, Aceton und Petrolether der Alkohol die besten
Chancen als Alternative zum Benzin hat. Aber
nur, wenn es im Massenbetrieb verwendet wird.
Getestet
haben sie die Wirksamkeit mit einer Explosion im Tablettenröhrchen.
Aus dem schleudert dabei ein Pfropfen, der gegen eine
aufgehängte 300 Gramm schwere Metallkugel saust.
Deren Ausschlag wird gemessen.
Bestnote
für Alkohol aus Früchten
Aber
nicht nur die reine Kraft, sondern auch Herstellung,
Preis und Aufwand in Relation zur Ökologie haben
Patrick, Daniel und Alexander verglichen. Fazit: Der
Alkohol, der auf natürliche Weise zum Beispiel
aus Früchten hergestellt werden kann, bekommt
die besten Noten für die Tankstelle der Zukunft.
Eine
Portion Glück
Froh
waren alle sechs, als sie mit ihren Preisen gekürt
und wieder abziehen durften. Denn die Konkurrenz schläft
nicht. Selbst einparkende Autos oder eine Methode,
um beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel
endlich nicht mehr zu verlieren, verzückten beim
Wettbewerb nicht nur das Publikum, sondern auch die
kritischen Juroren. Dass der Forscherfleiß der
AKG-ler trotzdem so reich belohnt wurde, hat für
Julian einen ganz einfachen Grund: Es gehört
halt eine Portion Glück dazu.
Carola
Scherbel

Mit
ihrem Plakat für die Ampelschaltung zeigen sich
Marcel Neunhoeffer, Michele Collodo und Julian von
Mendel (stehend von links), unten sitzen die Chemie-Sonderpreisträger
von Schüler experimentieren (von
links): Daniel Bonhag, Patrick Hümmer und Alexander
Lehmann. Foto: Scherbel
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